Neue Passerbrücke

Stellungnahme zum Varianteprojekt durch den Heimatschutzverein Meran und die Heimatpflegevereine Obermais und Untermais

03. Dezember 2025

 

Im Juni 2025 wurde bekanntgegeben, dass das Land Südtirol die Zenobergbrücke im Zuge des Baues der NW-Umfahrung von Grund auf neu errichten wird. Dafür liegt nun ein Varianteprojekt vor, das gegenüber der ursprünglichen Planung einen Bau der Brücke seitlich von der bestehenden auf neuen Stützen und Fundamenten vorsieht. Gemäß der ursprünglichen Planung sollte die neue Brücke auf den bestehenden Stützen etwas abgesenkt errichtet werden. Außerdem sieht die Variante eine Verschiebung der Straßenachse näher zum Flusslauf im Abschnitt zwischen Tunnelportal und Passerbrücke vor. Dabei soll die geplante Hangbrücke durch eine 70° steile Erdaufschüttung mit bewehrten Erden ersetzt werden.

Als Grund für den Neubau und den vollständigen Abbruch der Bestandsbrücke aus den 1960er Jahren wird angegeben, dass es bei einer etwaigen Blockade des künftigen Küchelbergtunnels (Unfall, Stau durch Überlastung, technische Schwierigkeiten) und dem gleichzeitigen Abbruch der Bestandsbrücke keine Möglichkeiten mehr geben würde in und aus Passeier nach Meran zu gelangen. Dieses Risiko wolle man nicht eingehen.

Nach einem privaten (22.07.2025) und einem amtlichen Lokalaugenschein (10.09.2025; organisiert vom Umweltschutzverein AmUm) ergeben sich durch den Neubau der Brücke (an einem neuen Standpunkt anstelle der heute vorgesehenen Brücke auf den bestehenden Stützen) erhebliche Auswirkungen auf Natur und Landschaftsbild:

  1. Starke Beeinträchtigung der Passer samt Biotop „Lazag“ durch die Einrichtung einer wesentlich größeren Baustelle im Flussbett und im Biotop (Gießen der Stützen);
  2. Starke Beeinträchtigung des Landschaftsbildes vom bestehenden Radweg und von der Naherholungszone Lazag aus;
  3. Starke Reduzierung der Breite des geschützten Waldstreifens im Gemeindegebiet von Tirol am orografisch rechten Ufer;
  4. Besetzung eines Teils des Biotops im Gemeindegebiet Meran/Obermais durch die neue Brücke mit Widerlager;
  5. Zusätzliche Grundversiegelung durch Verbreiterung in „Geschützten Grünanlagen“ mit Radweg seitlich statt unter der Brücke;
  6. Radweg mit hohen Steigungen statt einer flachen Radwegverbindung zwischen Obermais, Handwerkerzone Tirol und Dammweg auf dem Gemeindegebiet von Tirol.

 Bei der Variante handelt es sich um zwei unterschiedliche Streckenabschnitte:

Abschnitt 1: Vom Portal des Tunnels der Nordwestumfahrung bis zur bestehenden Brücke

Schutzstatus laut Landschaftsplan: Geschützte Landschaftselemente: Auwald, Wald und Flurgehölze

Genehmigtes Projekt:

Varianteprojekt:

Hangbrücke möglichst weit von der Passer entfernt.

Bau einer flach verlaufenden Radwegverbindung längs des Uferweges des Sonderbetriebs der Wildbachverbauung (vorgesehen, jedoch heute noch nicht im Projekt enthalten).

Erdaufschüttung mit bewehrten Erden mit großer Verschiebung des Straßenverlaufs näher zur Passer ab halber Strecke bis zur geplanten Brücke.

Errichtung eines Radweges bergseitig mit erheblichen Steigungen.

Abschnitt 2: Überquerung der Passer mit Mehrfeldbrücke auf Stützen

Schutzstatus laut Landschaftsplan: Biotop: Auwald, Augebüsch, Geschützte Landschaftselemente: Auwald, Wald und Flurgehölze

 

Genehmigtes Projekt:

Abbruch des bestehenden Brückentragwerks und Bau einer vollkommen neuen Brücke auf den bestehenden steinverkleideten Brückenpfeilern.

Bau eines lärmgeschützten Radweges abgehängt am neuen Brückentragwerks. (vorgesehen, jedoch heute noch nicht im Projekt

 

Varianteprojekt:

Bau einer neuen Brücke im geschützten Bereich mit neuen Fundamenten und Stützen parallel zur alten Brücke.

Bau eines seitlichen Radweges im geschützten Bereich

Abbruch der heutigen Brücke nach Inbetriebnahme der neuen.

 
       

Welche Vor- und Nachteile hat die vorliegende Variante?

Abschnitt 1: Vom Portal des Tunnels der Nordwestumfahrung bis zur bestehenden Brücke:

Vorteile der Variante:

Nachteile der Variante:

Die Unterbrechungszeit der Verbindung zwischen dem Tunnelportal und Obermais ist kürzer.

Der Waldstreifen zwischen Passer und der Verbauung mit bewehrten Erden wird wesentlich schmaler auf Kosten des Landschaftsschutzgebietes.

Eine leichte Hangbrückenkonstruktion wird auf großer Länge (mehrere 100 m) durch eine massive bis zu 12 m hohe Erdböschung ersetzt, die von der Naherholungszone Lazag, dem bestehenden Radweg und von Schenna aus gut einsehbar sein wird.

   

Abschnitt 2: Überquerung der Passer mit Mehrfeldbrücke auf Stützen:

Vorteile der Variante

Die Unterbrechungszeit der Verbindung zwischen dem Tunnelportal und Obermais ist kürzer.

Nachteile der Variante:

Im Gemeindegebiet von Meran/Obermais wird ein geschütztes Waldgebiet (Biotop) mit dem neuen Brückenverlauf verbaut (beim genehmigten Projekt wird nur im Bereich der heutigen Brücke gearbeitet)

Der vorgeschlagene Verlauf des Radwege braucht zusätzliche überbaute Fläche (laut genehmigtem Projekt keine zusätzliche Fläche, da im Bereich der heutigen Brücke)

Der Radweg ist dem Verkehrslärm ausgesetzt und hat sehr hohe Steigungen (laut genehmigtem Projekt lärmgeschützt unter der Brücke).

Erheblicher Eingriff im Bereich von Bachbett und geschützte Randbereiche durch Baustelle für neue Fundamente und Stützen (laut genehmigtem Projekt bleiben Fundamente und Stützen unverändert. Keine Grabungs- und Betonierarbeiten in Bachbett und Uferbereich erforderlich).

Im gesamten Varianteprojekt ist der einzige Vorteil die kürzere Zeitspanne der Sperrung der Verkehrsverbindung vom Tunnelportal nach Obermais.

Schon heute und in Vergangenheit gibt es lange Abschnitte in Richtung Dorf Tirol und Passeier mit nur einer einzigen Straße (alte Brücke über die Passer mit schlechtem Erhaltungszustand, Straße bis zur Tiroler Kreuzung, geologisch instabiler Abschnitt Riffian–Saltaus). Es ist kaum anzunehmen, dass der neu eröffnete Tunnel in den ersten Monaten nach der Eröffnung zu länger andauernden Sperrungen führen wird. Bei Tunnelsperrungen bei Unfällen ist für Einsatzfahrzeuge der Gnaidweg von Gratsch nach Dorf Tirol wie bisher weiter verfügbar!

Im gesamten Umweltbericht wird keine einzige Verbesserung durch die Variante beschrieben, sondern nur eine Reihe von Verschlechterungen der Umweltsituation.

Ist es wert, eine wesentliche Verschlechterung der Auswirkungen auf die Umwelt und Mehrkosten in Kauf zu nehmen, nur um die Sperrung der Verbindung nach Obermais um einige Monate zu verkürzen?

Der Heimatschutzverein bittet die Verantwortlichen auf die vorgesehene Variante zu verzichten und den vorgesehenen attraktiven Radweg abgehängt unter der Brücke und den Dienstweg am orografisch rechten Passerufer gleichzeitig mitzubauen.

Johannes Ortner

Obmann Heimatschutzverein Meran

Günther Januth

Obmann Heimatpflegeverein Obermais

Gerlinde Metz

Obfrau Heimatpflegeverein Untermais


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