Karl „Charly
Im Sommer 2026 von Eva Pföstl
Die Wände seines Salons in Obermais erzählen Geschichte: Fotografien von Staatsmännern, Filmstars und Popikonen reihen sich aneinander – ein stilles Archiv der Zeitgeschichte. Karl „Charly" Daprà, seit Jahrzehnten Friseur der Prominenten, steht nun selbst im Mittelpunkt eines Dokumentarfilms von Karl Posslinger, den RAI Südtirol kürzlich zeigte.
Vom bescheidenen Start zur großen Karriere
Daprà wächst in ärmlichen Verhältnissen in St. Georgen bei Schenna auf, lernt das Handwerk im renommierten Salon Freddy und zieht später nach München, in den Salon Papageno am Bayerischen Hof. Sein erster Kunde dort: Roger Moore. 1980 kehrt er nach Meran zurück, eröffnet einen eigenen Salon und wird zugleich als Radiomoderator bei Radio Tirol bekannt. Noch im selben Jahr, an Weihnachten, erhält er den Anruf, der seine Karriere prägen soll: Der Direktor des Hotel Palace bittet ihn, den italienischen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti zu rasieren. Seither ist Daprà der Vertrauensfriseur des Hotel Palace - ebenso wie des Hotel Villa Eden, des Schlosses Rundeggs und des San Luis, wo mittlerweile zahlreiche prominente Gäste logieren.
Ein Who's who der Weltprominenz
Die Liste seiner Kunden liest sich wie ein Who's who der Weltprominenz: Steven Spielberg schaut spontan im Salon vorbei, für ein Staatsoberhaupt aus dem Nahen Osten wird einmal der gesamte Brunnenplatz gesperrt. Sean Connery kommt kurz vor seinem Tod noch zu ihm. Mit Giulio Andreotti und Luciano Pavarotti verbindet ihn eine langjährige Freundschaft – bei Pavarottis Begräbnis in Modena ist er dabei. „Richtige Prominente sind einfache, bodenständige Leute", sagt Daprà.
Als ein Freund zum Fahndungsfall wird
Doch sein eigenes Leben gerät vor dreißig Jahren unfreiwillig ins Rampenlicht. Während die Polizei nach einem Serienmörder fahndet, der Meran wochenlang in Atem hält, kreisen nachts Hubschrauber über der Stadt. Als die Ermittler ein Phantombild des mutmaßlichen Täters veröffentlichen, erkennt Daprà darin einen alten Schulfreund: Ferdinand Gamper. Noch am Tag zuvor waren die beiden gemeinsam Skifahren gewesen. Trotzdem zögert Daprà nicht und gibt den entscheidenden Hinweis, der zur Aufklärung des Falls führt.