Touriseum in Meran. Keine Routine-Lösungen für ein museales Kleinod.
Offener Brief von paul Rösch udn Hans Heiss
20. Juli 2026
Nach über 10jährigem Intervall wird die Direktion des Touriseums in Trauttmansdorff nun neu besetzt. Es ist unverständlich, wie es seit 2015 möglich war, eines der innovativsten und bestbesuchten Museen Südtirols ohne direkte Führung zu belassen. Nur dank einsatzstarker Mitarbeiter:innen blieb das Haus auf gutem Stand, aber auch sie sahen sich oft genug demotiviert. Ein langjähriger Koordinator verließ 2022 das Touriseum, nachdem ihm keine Aufstiegschancen geboten wurden. Das Touriseum leitete interimistisch der Direktor des LM Schloss Tirol, Leo Andergassen, der zudem für das entlegene Schloss Feldthurns verantwortlich ist.
Die Direktion des Touriseums wird nun Anfang November 2026 neu besetzt. Aber die Besetzung wirft gravierende Fragen auf: Das Führungskräftegesetz des Landes sieht keine Besetzung primär nach Fachwissen und Erfahrung vor, sodass allgemeine, amtlich bekundete Führungskompetenzen für die Ernennung ausreichen, was sehr fragwürdig ist: Man stelle sich vor, was wäre, wenn das Landesamt für Geologie nicht von einem erprobten Geologen oder die Abteilung Landwirtschaft von einem Bürokraten ohne agrarische Kenntnisse geführt würden.
Aber für Kultur und Museen scheint Expertise oft zweitrangig zu sein. Nur so ist es erklärbar, dass die bisherige Direktorin des Amtes für Zeremoniell, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit im Südtiroler Landtag in gut drei Monaten die Leitung des Touriseums übernehmen soll. Ohne Fachwissen zu Tourismus und seiner Geschichte, das sie sich erst erarbeiten muss, ohne Erfahrung im musealen Management, das längst eine eingehende Spezialdisziplin darstellt, zudem gefordert in Besucher- und Mitarbeiterinnen-Betreuung, stellt sich mit Nachdruck die Frage, ob die Anwärterin die geeignete Führungskraft ist. Wir staunen über die Unbefangenheit, mit der die zuständige Direktorin des Betriebs Landesmuseen dies bejaht. In keinem Bundesland Österreichs oder Deutschlands, auch in vielen Regionen Italiens, wäre ein solcher Verzicht auf Fachkompetenzen denkbar.
Wir sind in Sorge über die Zukunft eines Museums, zu dessen Gründung und Führung wir in unterschiedlichem Ausmaß beigetragen haben: Aber als Koordinator und Gründungsdirektor wie als früherer Vorsitzender des wissenschaftlichen Fachbeirats sind wir dem Haus auf Dauer verbunden.
Wir werden mit Aufmerksamkeit auf die Entwicklung des Museums blicken und seine fachliche Ausrichtung genau verfolgen. Unserer besonderes Augenmerk wird der Führung der Museumsteams gelten. In diesem Bereich liegt aufgrund der leidigen, kaum zumutbaren Saisonsverträge ohnedies vieles im Argen. Würde die notorische Unterbesetzung durch einen problematischen Führungsstil verschärft, wäre dies für das „Touriseum“ denkbar negativ.
Wir werden nicht zögern, uns nötigenfalls in aller Entschiedenheit zu Wort zu melden und die uns zustehenden Möglichkeiten in Anspruch zu nehmen. Das „Touriseum“ und sein Team sind Exzellenzen in der alpinen Museumslandschaft. Das soll so bleiben.
Paul Rösch Hans Heiss
Direktor des „Touriseums“ Vorsitzender des wiss. Fachbeirats.
2003–2015 1996–2004
Mob. 3666125939 Mob. 3204650820
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