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Lesezeit: 5 min

Villa Rebhof

Eine Stiftung für Priester in Obermais

Im Sommer 2026 von Dr. Walter Egger


Bis zum Jahr 1895 hatte Obermais keinen eigenen, hier wohnhaften Seelsorger. Die Georgenkirche war eine Filialkirche der seit Jahrhunderten dem Kloster Stams einverleibten Pfarre Mais. In der Obermaiser Kirche wurden Messen von Stamser Ordenspriestern gelesen, die im Pfarrwidum von Untermais ihren Sitz hatten. Neben der Georgenkirche stand das alte Knabenschulhaus, aber kein Widum, das als Wohnung für einen ständigen Seelsorger hätte dienen können. Dies änderte sich erst, als Johanna Oberlindober geb. Mayr und deren Mutter Johanna Mayr geb. Wenter ihre Villa Rebhof als Benefizium für einen eigenen Priester in Obermais stifteten.

Bau der Villa Rebhof

Johanna Oberlindober geb. Mayr aus Innsbruck, vorübergehend im Schloss Winkel wohnhaft, erwarb Mitte 1871 von den Eheleuten Josef und Josefa Matscher aus deren Mair-am-Waal-Hof den Rautacker am Obermaiser Kirchsteig im Flächenmaß von 4.250 m² um den Kaufpreis von 5.910 Gulden. Schon ein Jahr zuvor hatte sie den Architekten Karl Moeser mit dem Plan zum Bau einer Villa beauftragt, die im Parterre eine Wohnung für die Besitzerin und weitere zwei Wohnungen in den oberen Geschossen für Fremde vorsehen sollte.

Die Mairhofbesitzer reservierten sich das Weingartholz und die Reben, soweit diese vom Acker wegen der Baustelle entfernt würden. In der Tat wurde vom Baugrund nur ein Teil für Haus, Waschküche und Garten verwendet, der Rest blieb noch Jahrzehnte lang als Weinacker erhalten. Er reichte einst bis zur Grenze der Villa Bavaria. Daher verwundert es durchaus nicht, dass die Besitzerin ihrem Neubau den Namen „Rebhof“ gab.

Mag Johanna Oberlindober in den Urkunden auch stets allein als Käuferin oder Auftraggeberin aufscheinen, so hat sie doch nach eigener Aussage die Villa gemeinsam mit ihrer Mutter geschaffen.

Die Mutter Johanna Wenter stammte aus einer alteingesessenen Meraner Familie, die neben einem Stadthaus seit 1780 auch den Ansitz Rosenstein in Obermais besaß. Geboren 1816 als Tochter des Joseph Wenter und der Rosa Goldrainer, ehelichte sie 1838 den von Lengstein am Ritten gebürtigen Joseph Mayr, Güterbesitzer in Meran. Die Geburt der Tochter Johanna 1842 erlebte der junge Vater aber nicht mehr. Er starb fünf Tage vorher an einer Lungenentzündung im Alter von 38 Jahren.

Die Tochter Johanna Mayr heiratete 1865 in Innsbruck den Kaufmannssohn Josef Oberlindober, die Ehe war jedoch von ungewöhnlich kurzer Dauer. Denn bloß drei Monate nach der Hochzeit verstarb der 28-jährige Gatte an Tuberkulose. Die hinterlassene Witwe zog in der Folge nach Obermais, wo sie – wie erwähnt – gemeinsam mit ihrer Mutter die Villa Rebhof zu ihrem Wohnsitz errichten ließ.

In der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember 1893 starben beide Frauen in ihrer Villa an einem Herzschlag: Die Mutter zwei Stunden vor Mitternacht, die Tochter eine halbe Stunde nach Mitternacht. Sie fanden im Friedhof bei Maria-Trost ihre letzte Ruhestätte.

Die Grabplatte wurde 1985 vor der drohenden Entsorgung gerettet und zur Erinnerung an die edlen Wohltäterinnen außen im Eingangsbereich der Georgenkirche angebracht.

Benefizium Rebhof

Mit eigenhändig geschriebenen Anordnungen vom 19. März 1885 und 4. März 1886 stiftete Johanna Oberlindober gemeinsam mit ihrer Mutter den Rebhof als Benefizium für einen Priester in Obermais. Falls das Kloster Stams keinen Priester bestellen könne, möge ein Weltpriester das Amt übernehmen. „Dieser sollte gebildet, nüchtern und fromm sowie auch für den Unterricht nützlich sein.“

Mit Urkunde vom 8. November 1894 nahm das Kloster Stams die Stiftung an und verpflichtete sich, den Bestimmungen der Stifterin nachzukommen, nämlich:

  • den Rebhof nie zu verkaufen oder zu verändern und
  • einen Priester aus dem Stifte Stams als Benefiziaten nach Obermais zu schicken.

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